Veränderungen im Export und Import durch EDV-Obligatorium

30. April 2012 um 15.58 Uhr
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Die Schweizerische Zollverwaltung hat beschlossen, ab 1.1.2013 für Ausfuhren aus der Schweiz das EDV-Obligatorium einzuführen. Das grüne Formular ED 11.030 wird ab dann nicht mehr angenommen. Die Ausfuhrdaten müssen dem Zoll elektronisch gemeldet werden. Ebenfalls wird auch beim Import das Formular 11.010 abgeschafft. Auch diese Daten müssen neu elektronisch gemeldet werden. Lediglich vorübergehende Einfuhren wie Freipässe und Veredelungsverkehr werden noch mit Formularen abgewickelt. Mit den Veränderungen durch das neue e-dec Verfahren sollten sich Exporteure und Importeure rechtzeitig auseinandersetzen.

Mit dem EDV-Obligatorium reagiert die Zollverwaltung auf die Forderungen nach einer vereinfachten Exportabwicklung, welche gleichzeitig die Papierflut reduziert und alle Ausfuhrnachweise lückenlos nachvollziehbar macht. Die Vorteile liegen auf der Hand, entfallen doch aufwändige Arbeiten gegenüber dem heutigen Formularverfahren wie

  • Drucken der Formulare
  • Faxen der Dokumente an den Spediteur
  • Kontrollliste der ausstehenden Ausfuhrdeklarationen
  • Ausfuhrdeklarationen sammeln und zusammensuchen
  • Fehlende Ausfuhrdeklarationen bei den Spediteuren monieren
  • Archivieren der Ausfuhrdeklarationen
  • Probleme/Bussen bei MWST-Kontrollen bei fehlenden Ausfuhrdeklarationen

Exporteure müssen sich entscheiden

Jeder Exporteur muss sich im Verlaufe dieses Jahres entscheiden, wie er inskünftig die Exporte abwickeln will. Es stehen ihm zwei Möglichkeiten zur Verfügung. Entweder er übergibt die Ausfuhranmeldung dem Spediteur oder er beschafft sich eine eigene Software und meldet seine Exporte selbst beim Zoll an. Firmen, die bereits auf e-dec Export gewechselt haben, sind von dieser Umstellung nicht mehr betroffen.

Variante 1: Abwicklung durch einen Spediteur

Der Exporteur übergibt dem Spediteur die Dokumente wie Rechnung, Speditionsauftrag, EUR.1 etc. Der Spediteur meldet die Ausfuhr dem Zoll elektronisch an. Dabei stehen ihm während einer Übergangsfrist nebst dem neuen e-dec Export auch noch das bisherige NCTS (rosa Ausfuhrbeleg 11.38) zur Verfügung. Nach der Ausfuhr schickt der Spediteur dem Exporteur eine E-Mail mit der  neuen elektronischen Veranlagungsverfügung (eVV) oder sendet ihm per Post noch den rosa Ausfuhrbeleg zu. Der Exporteur muss die im Mail angehängte eVV bei sich während 10 Jahren elektronisch archivieren. Das mitgelieferte PDF ist nur zur Visualisierung – und daher für die MWST-Verwaltung nicht gültig. Bei der Anmeldung durch den Spediteur muss der Exporteur daher eine minutiöse Kontrolle führen, wem er welchen Auftrag übergeben hat und ob der entsprechende Ausfuhrnachweis (papierförmig oder elektronisch) eingetroffen ist. Die Spediteure verlangen für die e-dec Abwicklung Zusatzkosten von 15 bis 25 Franken.

Variante 2: Eigene Software einsetzen

Der Exporteur beschafft sich eine eigene Software für die Exportabwicklung. Dort erfasst er die Exportdaten, sendet diese an den Zoll und erhält ein PDF mit der Ausfuhrliste. Diese übergibt er dem Spediteur mit den anderen Exportdokumenten. Nach der erfolgten Ausfuhr holt seine Software die eVV beim Zoll ab und archiviert sie automatisch. Auf dem Bildschirm hat der Exporteur jederzeit die Übersicht über all seine Exporte. Auf dem Markt sind Softwaren mit Jahreskosten ab 280 Franken erhältlich. Für Kleinstexporteure und Private stellt der Zoll auch die Internetzollanmeldung e-dec web gratis zur Verfügung. Diese eignet sich jedoch nur für Selbstverzoller und allenfalls für Komplettladungen. Stückgutsendungen mit e-dec web werden Spediteure nicht annehmen, da e-dec web nur eine teilautomatische Lösung ist.

Auch Importe von EDV-Obligatorium betroffen

Mit der Einführung des EDV-Obligatoriums gibt es auch bei den Importbelegen grosse Veränderungen. Die heutigen gelben Importbelege werden abgeschafft. Neu gibt es auch dort nur noch eine elektronische Veranlagungsverfügung. Diese muss der Importeur mittels seiner ZAZ-Nummer (ZAZ = Zentralisiertes Abrechnungsverfahren der Zollverwaltung) selbst beim Zollserver abholen oder der Spediteur holt sie ab und leitet sie per E-Mail an den Importeur weiter. Diese evv.xml müssen ebenfalls während 10 Jahren elektronisch archiviert werden. Die meisten Softwarehersteller mit e-dec Export-Lösungen erweitern in der nächsten Zeit ihre Software dahin, dass diese die eVV Importdeklaration automatisch beim Zoll abholen und gesetzeskonform archivieren können. Diese Programme können allenfalls auch nur für den Bereich Import eingesetzt werden.

Umstellung möglichst rasch vollziehen

Dominique Zihlmann, Geschäftsführer der TransSoft GmbH, empfiehlt allen Exporteuren und Importeuren möglichst rasch den Wechsel auf e-dec zu vollziehen: „Die Vorgaben sind klar und die entsprechenden Software-Angebote wie ExpoVit®e-dec verfügbar. Einem Wechsel steht nichts im Wege und zahlt sich aus, da der Aufwand beim Export und Import deutlich reduziert wird.“ Die Umstellung ist in der Regel absolut problemlos.

Anwender-Tipp

  • Befassen Sie sich rechtzeitig mit dem Thema, noch vor den Sommerferien 2012.
  • Informieren Sie sich über die neuen Zollverfahren an Veranstaltungen und Seminaren, zum Beispiel bei den Handelskammern oder Swiss Export. Fachzeitschriften wie das Swiss Export Journal bieten ebenfalls ausführliche Informationen.
  • Auf der Website www.transsoft.ch finden Sie zahlreiche Informationen zum Thema sowie einen anschaulichen Kurzfilm (5 Min.) über e-dec.
  • Die vermeintlich einfache Lösung mit der Abwicklung durch den Spediteur muss genau überlegt sein. Prüfen Sie die entstehenden Kosten und vor allem den Download, die Archivierung und das spätere Suchen der elektronischen Ausfuhrnachweise eVV.
  • Wenn Sie sich für eine eigene Abwicklung entscheiden, stellen Sie nicht erst am 1. Januar 2013 auf e-dec um, sonder früher. So haben Sie Gewähr, dass die Softwarehersteller genügen Zeit für Sie haben und Sie nicht in einen Supportstau kommen.

Dominique Zihlmann, Geschäftsführer TransSoft GmbH

Info-Box

Die im Jahr 2000 gegründete TransSoft GmbH in Lausen BL konzentriert sich mit der Entwicklung des Programmpakets ExpoVit auf die Zollabwicklung für KMU. Eine laufende Erweiterung des Funktionsumfangs sorgte dafür, dass mit ExpoVit®plus während 10 Jahren ein umfassendes Softwarepaket zur Verfügung stand, welches alle Anforderungen exportierender Unternehmen abdeckte. Bis heute ist das Programm für mehr als 700 Kunden ein unverzichtbares Hilfsmittel. 2010 brachte TransSoft mit ExpoVit®e-dec eine neue, einfache und kostengünstige Version für die künftige elektronische Exportabwicklung auf den Markt, welches die komplexen Abläufe im Export stark vereinfacht. Die neue Version ist bereits bei 500 Firmen im Einsatz.

IT-Konkret

Anbieter TransSoft GmbH
CH-4415 Lausen
www.transsoft.ch
 
Themen Logistik, Export, e-dec, Import